Projektdetails
Streicher, Michaela; / Veterinärmedizinische Universität Wien
Hunde kommunizieren primär über Körpersprache, Mimik und Körperhaltung, während Menschen – insbesondere Kinder – stark visuell und anthropozentrisch interpretieren (Siniscalchi et al. 2018; Alabi 2024). Diese interspezifische Kommunikationsasymmetrie erschwert es Kindern, Stress-, Unsicherheits- oder Abwehrsignale von Hunden korrekt zu erkennen, was zu riskanten Interaktionen führen kann (Mariti et al. 2012). Pädagogische Interventionen, die grundlegende Kompetenzen im Lesen hundlicher Signale vermitteln, gelten daher als wirksamer Ansatz zur Prävention von Beißvorfällen und zur Förderung sicherer Interaktionen (Chapman et al. 2000; Meints et al. 2018).
Über den Aspekt der Sicherheit hinaus berührt das Thema grundlegende tierethische Fragestellungen. Neuere tierethische und tierverhaltensbiologische Ansätze betonen, dass Hunde als empfindungsfähige Individuen mit eigenen Bedürfnissen, Präferenzen und Handlungsspielräumen zu verstehen sind (DeGrazia 2009; Evans 2013). Konzepte wie agency und autonomy verweisen darauf, dass Tiere nicht bloß Objekte menschlicher Nutzung sind, sondern aktiv an Interaktionen beteiligt sind (Evans 2013; Jones 2024). Studien zeigen, dass Wahlmöglichkeiten und das Respektieren von Rückzugssignalen das Wohlbefinden von Hunden erhöhen und Stress reduzieren können (Malkani et al. 2024; Rust et al. 2024).
Vor diesem theoretischen Hintergrund gewinnt Tierschutz- und Tierethikbildung im Kindesalter besondere Bedeutung. Bildungsangebote, die Wissen über Tierverhalten mit ethischer Reflexion verbinden, können dazu beitragen, Wahrnehmungen von Tieren nachhaltig zu verändern – weg von instrumentellen Zuschreibungen hin zu einem Verständnis von Tieren als Individuen mit eigenen Interessen (Melson und Fine 2015). Der Workshop „Wuffzack“ des Vereins „Tierschutz macht Schule“ setzt genau an dieser Schnittstelle von Sicherheitsprävention, Tierethik und Bildungsarbeit an (Tierschutz macht Schule 2025).
Das vorliegende Forschungsprojekt zielt darauf ab, dieses Workshopformat theoriegeleitet zu evaluieren. Im Fokus steht die Frage, inwieweit durch die Intervention Wissensbestände zu Hundekommunikation aufgebaut,Handlungsvorstellungen im Umgang mit Hunden verändert und ethisch relevante Perspektivverschiebungen angestoßen werden. Die qualitative Ausrichtung ermöglicht es, neben explizitem Wissen auch implizite Deutungsmuster und Einstellungsänderungen zu erfassen. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Bildungsforschung im Bereich Mensch-Tier-Beziehungen und schafft eine empirische Grundlage für die Weiterentwicklung schulischer und außerschulischer Bildungsangebote, insbesondere im Übergang von der Primar- zur Sekundarstufe.