Projektdetails
Wallner, Dietmar; Prof. (FH) Mag. Dr. / FH Joanneum Graz
Universität Graz
Die Teilhabe an unterschiedlichen Sportangeboten ist ein Menschenrecht, das in der UN-Behindertenrechtskonvention, die seit 2008 in Österreich gilt, verankert ist (Aichele, 2012). Aus bisherigen Forschungsarbeiten ist bekannt, dass Menschen mit Beeinträchtigungen mit einigen Herausforderungen konfrontiert sind, z.B. mangelnde barrierefreie Gestaltung (Bükers & Wibowo, 2020) oder strukturelle Voraussetzungen einer Veranstaltung (Klenk et al., 2019).
Die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen an Sportveranstaltungen ist in zweierlei Form erreichbar: Einerseits besteht die Möglichkeit aktiv als Teilnehmer:in an Sportveranstaltungen teilzunehmen. Eine eigene aktuelle Erhebung aus dem Tennissport zeigt, dass die Teilnahme von Menschen mit körperlichen und intellektuellen Beeinträchtigungen an regulären Tennisveranstaltungen von allen Beteiligten begrüßt wird, jedoch weiterhin Herausforderungen hinsichtlich der barrierefreien Gestaltung existieren (Kreinbucher-Bekerle, 2025). Der Tennissport bietet mit dem Ranking System (ITN) ähnlich wie das „Handicap“-System im Golf die Chance, dass Personen unterschiedlichen Geschlechts, Alters oder einer Beeinträchtigung mit und gegeneinander spielen können (Österreichischer Tennisverband, 2025). Inklusive Spiel- und Turnierformate sind jedoch nach wie vor selten und bislang noch nicht systematisch beforscht worden.
Neben einer Teilnahme als Spieler:in oder Athlet:in an einer öffentlichen Sportveranstaltung, ist die Perspektive der Mitarbeit als Volunteer eine zweite Möglichkeit der Partizipation an Sportveranstaltungen. Auch in diesem Bereich sind Menschen mit einer Beeinträchtigung bislang unterrepräsentiert, was unter anderem auf strukturelle Voraussetzungen und fehlende Ausbildungsmöglichkeiten hindeutet (McDowell et al., 2022). In einer kürzlich durchgeführten eigenen Studie konnte gezeigt werden, dass die Inklusion bei Sportevents aus der Sicht von Volunteers mit Beeinträchtigung und Organisator:innen von beiden Seiten sehr positiv wahrgenommen wird (Jobst & Kreinbucher-Bekerle, 2025). Dennoch bleiben Fragen der Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen bei öffentlichen Sportveranstaltungen weitgehend ungeklärt, es benötigt dafür eine interdisziplinäre Zusammenarbeit unterschiedlicher Forschungsdisziplinen und Praxispartnern.
Fragestellungen
Vor dem Hintergrund der aktuellen und skizzierten Forschungslage ergeben sich die folgenden Fragestellungen bezüglich der Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen an öffentlichen Sportveranstaltungen:
• Wie kann eine Teilnahme oder Mitarbeit von Menschen mit Beeinträchtigungen an öffentlichen Sportveranstaltungen gelingen?
• Welche Herausforderungen ergeben sich diesbezüglich bei den Sportarten Laufsport und Tennis?
Bewegung und körperliche Aktivität gelten als zentrale Schutzfaktoren für die physische und psychische Gesundheit. Dennoch zeigen Studien, dass ein großer Teil der Bevölkerung die empfohlenen Bewegungsumfänge nicht erreicht. Forschung im Bereich des Bewegungsverhaltens ist notwendig, um zu verstehen, welche individuellen, sozialen und strukturellen Faktoren Bewegung fördern oder hemmen. Dazu zählen unter anderem Motivation, Selbstwirksamkeit, soziale Unterstützung, aber auch Umweltbedingungen wie Infrastruktur, Arbeitsbedingungen oder digitale Mediennutzung. Nur auf Grundlage solcher Erkenntnisse lassen sich zielgruppenspezifische und nachhaltige Interventionen entwickeln, die Menschen langfristig zu einem aktiven Lebensstil befähigen.
Auch das Ernährungsverhalten hat einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit. Eine unausgewogene Ernährung mit hohem Energiegehalt und geringer Nährstoffdichte trägt zur Entwicklung chronischer Erkrankungen bei und beeinflusst somit die Lebensqualität. Gleichzeitig ist Ernährung stark kulturell, sozial und ökonomisch geprägt. Forschung zur Ernährung ermöglicht es, komplexe Entscheidungsprozesse beim Essverhalten besser zu verstehen und Wechselwirkungen zwischen Wissen, Einstellungen, Verfügbarkeit von Lebensmitteln und tatsächlichem Verhalten zu analysieren. Diese Erkenntnisse sind entscheidend, um wirksame Strategien der Ernährungsbildung, Prävention und Gesundheitspolitik zu entwickeln.
Die besondere Bedeutung der Forschung liegt zudem in der Wechselwirkung von Bewegung und Ernährung. Beide Verhaltensweisen beeinflussen sich gegenseitig und entfalten ihre gesundheitlichen Effekte häufig erst im Zusammenspiel. Forschung, die diese Zusammenhänge integriert betrachtet, trägt zu einem umfassenderen Verständnis von Energiehaushalt, Körperzusammensetzung und Stoffwechselprozessen bei. Dadurch können ganzheitliche Präventions- und Interventionsansätze entwickelt werden, die über isolierte Maßnahmen hinausgehen.
Darüber hinaus ist die Forschung zum Gesundheitsverhalten essenziell, um gesundheitliche Ungleichheiten zu reduzieren. Sozioökonomische Faktoren haben einen erheblichen Einfluss auf Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten. Wissenschaftliche Erkenntnisse helfen, vulnerable Gruppen zu identifizieren und Maßnahmen zu entwickeln, die Chancengleichheit im Zugang zu gesundheitsförderlichen Lebensbedingungen verbessern. Dabei kommt auch der Schule eine wichtige Rolle zu, da in diesem Setting ein Großteil der Kinder und Jugendlichen unabhängig von den sozioökonomischen Voraussetzungen erreicht und miteingebunden werden können.
Insgesamt liefert die Forschung im Bereich Gesundheitsverhalten mit Schwerpunkt auf Bewegung und Ernährung eine unverzichtbare Grundlage für evidenzbasierte Entscheidungen in Prävention, Gesundheitsförderung und Politik. Sie trägt dazu bei, individuelle Handlungskompetenzen zu stärken, strukturelle Rahmenbedingungen gesundheitsförderlich zu gestalten und langfristig die Lebensqualität sowie die Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig zu verbessern.
Bewegungsverhalten beschreibt, wie häufig, intensiv und in welchen Kontexten sich Menschen bewegen. Es wird durch individuelle Faktoren und Umweltbedingungen (z.B.: Bewegungsräume, soziale Einflüsse) beeinflusst. Aus schulischer Sicht ist auch der positive Zusammenhang zwischen kognitiver und schulischer Leistungsfähigkeit mit körperlicher Bewegung relevant.
Fitness, insbesondere die gesundheitsbezogene Fitness, ist zudem eng mit dem Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen verbunden. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und muskuloskelettale Beschwerden stehen nachweislich im Zusammenhang mit geringer körperlicher Leistungsfähigkeit. Forschung zur Fitness liefert wichtige Erkenntnisse über Dosis-Wirkungs-Beziehungen von Bewegung, alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede sowie langfristige Effekte körperlicher Aktivität. Diese Erkenntnisse sind unverzichtbar für evidenzbasierte Prävention, Rehabilitation und Gesundheitsförderung.
Neben der körperlichen Fitness bildet die motorische Kompetenz die Grundlage für eine aktive Lebensführung. Sie umfasst die Fähigkeit, Bewegungen zielgerichtet, sicher und effizient auszuführen. Besonders im Kindes- und Jugendalter spielt sie eine zentrale Rolle, da motorische Defizite häufig mit geringerer Bewegungsbeteiligung, niedrigerem Selbstkonzept und sozialer Ausgrenzung einhergehen. Forschung zur motorischen Kompetenz hilft zu verstehen, wie motorische Fähigkeiten entstehen, wie sie sich entwickeln und welche pädagogischen oder trainingsbezogenen Maßnahmen ihre Förderung unterstützen können. Langfristig trägt dies dazu bei, Bewegung als selbstverständlichen Bestandteil des Alltags zu etablieren.
Insgesamt besteht ein direkter Zusammenhang zwischen körperlicher Bewegung, Fitness und motorischer Kompetenzen. Dem entsprechend erhöht sich durch einen Mangel an Fitness und motorischer Kompetenz die Wahrscheinlichkeit für unzureichende körperliche Bewegung. Forschung in diesem Bereich ermöglicht es, Bewegungsmuster differenziert zu analysieren und Risikogruppen zu identifizieren. Auf dieser Basis können gezielte Maßnahmen zur Bewegungsförderung entwickelt werden, die über allgemeine Empfehlungen hinausgehen und an Lebenswelten angepasst sind.
Darüber hinaus ist die Forschung in diesen Bereichen für Bildungssysteme von großer Bedeutung. Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen Bewegung, kognitiver Leistungsfähigkeit und psychosozialem Wohlbefinden liefern Argumente für die Stärkung von Bewegung und Sport in Schule, Ausbildung und Studium. Auch im Kontext des demografischen Wandels gewinnt die Forschung an Relevanz, da sie Ansätze aufzeigt, wie Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität bis ins hohe Alter erhalten werden können.
Dem entsprechend bildet die Forschung zu Bewegungsverhalten, Fitness und motorischer Kompetenz eine zentrale Grundlage für evidenzbasierte Entscheidungen in Gesundheitswesen, Bildung und Politik. Sie ermöglicht es, gesellschaftlichen Herausforderungen wie Bewegungsmangel, gesundheitlicher Ungleichheit und steigenden Krankheitskosten wirksam zu begegnen und nachhaltige Strategien für eine aktive und gesunde Bevölkerung zu entwickeln.
Das Zusammenwirken unterschiedlicher Entwicklungsbereiche des Kindes soll im Transitionsprozess am Übergang von Elementar- in die Primarstufe untersucht werden und Einblick darüber lieferen, welche sprachlichen und motorischen Bereiche sich identitätsstiftend auf das kindliche Selbstkonzept auswirken. Ferner sollen daraus Konzequenzen für die Schuleingangsphase gezogen werden, die in weiterer Folge auch in der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften einfließen und der Professionalisierung der Ausbildung an den einzelnen PHn dienen sollen.