Im Sinne einer partizipativen Forschung gestalten auch die Lehrpersonen als aktiv Mitentscheidende den weiteren Forschungsprozess von Sol entscheidend mit. Dazu werden aktuell die Interessenslagen der Lehrpersonen erhoben (Direktionsbeirat). Ziel ist, die pädagogische Arbeit am Schulstandort der Praxis-NMS kontinuierlich weiterzuentwickeln und in der wissenschaftlichen Begleitung bedarfsanalytisch auf die Interessen des Standortes zu reagieren. Als neuer Forschungsschwerpunkt für das Studienjahr 2018/19 wurde im Zuge dieses Prozesses die Entwicklung des Schulstandortes zur „inklusiven Schule“ gewählt. Die Thematik deckt sich mit dem Ziel-und Leistungsplan der Praxis-NMS. Im WiSe 2018 erfolgt die Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Literatur, um eine theoriegeleitete Erstellung eines Erhebungsinstrumentes (Interviewleitfaden Lehrer_innen und/oder Schüler_innen) zu ermöglichen, welches zentrale und notwendige Entwicklungsrnaßnahmen sichtbar machen soll. Für den Herbst 2018 sind Interviews mit Lehrpersonen und/oder Schüler_innen (N= 10-15) geplant, die mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet werden. Sie sollen die gelebte Praxis im Hinblick auffestgelegte Ziele und Anforderungen des Ziel-und Leistungsplanes aufzeigen. Die Ergebnisse werden dargestellt und ins Praxisfeld rückgeführt (Präsentation SoSe 2019).
Der Prozess der Inklusion stellt gewissermaßen eine Spezifizierung und Modernisierung der Menschenrechte dar und verweist exemplarisch anhand von Menschen mit Beeinträchtigungen auf den universellen Anspruch dieser Normen. Menschen- und Bürger*innenrechte sind nicht verhandelbar und stehen niemals zur Disposition. Dementgegen stehen empirische Erfahrungen im Alltag: Menschen mit Beeinträchtigungen – ob sichtbar oder nicht – werden häufig entgegen ihren zugesicherten Ansprüchen auf Autonomie und Partizipation diskriminiert und erfahren sich als reduziert. Die volle Ausübung von Freiheitsrechten liberaler Demokratien ist für betroffene Personen häufig nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen und gegen Widerstand möglich. Dies trifft ganz besonders auf vulnerable Personen zu, die aufgrund einer Reduzierung (auf ein Merkmal), nicht als Personen wahrgenommen werden.
Auf Basis eines breiten Inklusionsverständnisses wird die Frage des theoretischen Zusammenhangs von ›Zivilem Ungehorsam‹ und ›Inklusion‹ beforscht. Dabei wird insbesondere der bildungstheoretische ›Wert‹ untersucht, und anhand von alltäglichen und institutionellen Diskriminierungen exemplifiziert. Methodisch handelt es sich um eine systematisch-historische Forschung, die neben den beiden Theoriefamilien (ziviler Ungehorsam, Inklusion) insbesondere auf emanzipatorische Bildungstheorien, Menschenrechte und den kritischen Personalismus rekurriert. Die Praxisbeispiele dienen lediglich als ›Anker‹ und haben lediglich heuristische Bedeutung. Das zentrale Erkenntnisinteresse besteht in der bildungstheoretischen Reformulierung des ›Zivilen Ungehorsams‹ als Artikulation ›Aktiver Bürger*innenschaft‹ im gesellschaftlichen Prozess der sozialen Inklusion und den Zusammenhängen im Hinblick auf die Entwicklung personaler Identität (Selbst).
Ausgehend von den Erkenntnissen des Forschungsprozesses wird versucht, das Projektthema auch schulisch abzubilden. Durch Verortung im Lehrplan wird anhand einer Unterrichtssequenz das Thema für Schüler*innen der Sekundarstufe zugänglich gemacht und diese dadurch in zwei politisch-pädagogische Konzepte eingeführt. Neben Teilkompetenzen hat diese Sequenz insbesondere Bildungsbedeutung und unterstützt das Bestreben ›Aktiver Bürger*innenschaft‹ in doppelter Hinsicht: Einmal auf Seiten der Lehrer*innen, die durch die Etablierung dieses Unterrichtsthemas eigene Kompetenzen weiterentwickeln und zum anderen seitens der heranwachsenden Generation. Dazu stehen neben einer Unterrichtsplanung sowie deren Vor- und Nachbereitung auch verschiedene Materialien und Hintergrundinformationen zur Verfügung (Handreichung).
Für das Gesamtprojekt der Inklusiven Hochschule steht u. a. der Umgang mit „Diversität und Heterogenität in pädagogischen Handlungsfeldern“ (Cerny, 2017, S. 2) im Fokus. Studierende sollen durch berufsbiografische Erfahrungen eine professionelle Haltung hinsichtlich Inklusion/Diversität aufbauen. Im Strategiepapier zur Evaluation der Inklusiven Hochschule (Cerny, 2017, S. 1-2) wird der bildungstheoretische Ansatz, Schulen (hier insbesondere Hochschulen) als soziale Räume zu verstehen, begründet.
Mit BluE gerät insbesondere die Einstellung zu behinderten Menschen und deren Teilhabe auf allen Ebenen des Bildungssystems ins Zentrum der Betrachtung. Wie der hochschulische Sozialraum von den beteiligten Akteur_innen wahrgenommen wird und wie sich ihre Haltung dazu möglicherweise verändert, soll mit diesem Teilprojekt erforscht werden. Die zentrale Forschungsfrage dazu lautet:
Wie rekonstruieren, die am BLuE-Hochschulprogramm beteiligten Akteur_innen den Sozialraum Hochschule?
Mittels qualitativer Methoden werden Daten von allen am BLuE-Projekt Beteiligten erhoben, um einen Einblick in die Haltungen zu inklusiven Settings im tertiären Bildungsbereich zu bekommen. Dies dient als Grundlagen für weitere Maßnahmen zur Umsetzung von Inklusion auf allen Ebenen des Bildungssektors.
theoret. Zugang
Ein Fehler kann als ein Abweichen von den mathematischen Regeln aufgefasst werden und wird in Fehlerphänomenen bzw. Fehlermustern sichtbar. Hinter diesem Resultat stehen meist tiefer gehende Fehlerursachen oder Fehlerstrategien. Dabei können drei Fehlertypen unterschieden werden:
1) Flüchtigkeitsfehler,
2) Systematische Fehler und
3) Typische Fehler.
Der Zugang des Projekts ist es, typische Fehler in diversen Inhaltsbereichen des Mathematikunterrichts der Sekundarstufe I über Bildungsstandardsaufgaben sowie deren Lösungshäufigkeiten über die bereits vorhandenen österreichweiten Daten (vom BIFIE zur Verfügung gestellt) zu analysieren bzw. auszuwerten. Für den Einblick in die Aufgaben/ Daten ist ein Kooperationsvertrag mit dem BIFIE nötig.
Methode
In einem ersten Schritt wird die Lesefertigkeit von Schülerinnen und Schülern der 8. Schulstufe (NMS und AHS) in der Fremdsprache Englisch erfasst. Dafür werden aus dem Aufgabenpool des BIFIE Testhefte generiert, die eine Befragung nach individuellen Lösungsprozessen und Lösungsstrategien ermöglichen. In einem zweiten Schritt wird ein Interviewleitfaden entwickelt, um kognitive Prozesse retrospektiv zu versprachlichen. Um die Anzahl der Befragten massiv erhöhen zu können und dadurch aussagekräftigere Erkenntnisse für Fachdidaktik und Testentwicklung gewinnen zu können, soll in weiterer Folge ein Fragebogen in einer für Lernende auf der 8. Schulstufe verständlichen Sprache entstehen.
Ergebnisse
Das Wissen, wie sich erfolgreiche von weniger erfolgreichen Leserinnen und Lesern beim Lösen von Lese-Testaufgaben in der Fremdsprache Englisch auf der 8. Schulstufe unterscheiden, soll maßgeblich dazu beitragen, dass Leseprozesse und Lesestrategien von Lehrpersonen zukünftig bewusster wahrgenommen werden. Damit wird ihre Diagnosekompetenz gestärkt und das Wissen um Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler beim Lesen kann im Rahmen der Individualisierung und differenzierten Lernbegleitung von den Lehrkräften berücksichtigt werden.
theoret. Zugang
Hypothese: Die Motivation für unbezahlte Arbeiten für die Gemeinschaft wird auch in der Schule durch Lehrstoff und Unterrichtsmaterialien bei Mädchen stärker gefördert als bei Jungen. Das Projekt baut auf den Begriff des Habitus von Pierre Bourdieu auf und bezieht sich auf die Studien von Geneviéve Vaughan zur geschlechtsspezifischen Förderung von Empathie, auf die Studien von Karl Polanyi zur ökonomischen Entwertung lebenswichtiger Sorgearbeit und auf die Forschungen von Hannelore Faulstich-Wieland über Unterrichtspraktiken, die implizit geschlechtsspezifisches Verhalten bei Schüler_innen fördern.
Forschungsstand
Die gesellschaftliche Bewertung von Sorgearbeit findet ihren Niederschlag im geschlechtsspezifischen Habitus. Für eine Veränderung dieser Wertungen ist es notwendig, Sorgearbeit als ebenso wertvolle Tätigkeit für das Gemeinwohl anzuerkennen wie technische Arbeiten. Sorgearbeit wird derzeit niedrig oder gar nicht entlohnt, obwohl sie die Voraussetzung für die hohe Effizienz österreichischer Berufstätiger darstellt. Meist arbeiten Frauen zum Wohle ihrer Angehörigen in Teilzeit, sodass sie im Alter oft in Armut leben müssen. Eine Studie von F. Haug und U. Gschwandtner (2006) zeigte, dass Mädchen bereits in der ersten Sekundarstufe unbezahlte Familienarbeit in ihrem Lebensplan haben, Burschen jedoch nicht.
Dazu werden besonders im deutschen Sprachraum häufig sozial- und entwicklungspsychologische Ansätze wie etwa Havighursts Modell der Entwicklungsaufgaben herangezogen. Im internationalen Forschungsfeld der audience research mit besonderem Schwerpunkt auf Heranwachsende, das auch innerhalb internationaler Fachgesellschaften zunehmend Bedeutung erlangt, ist der Sozialisationsbegriff in Bezug auf Medien kaum verbreitet. Der Terminus ‚media socialisation‘ taucht als Übersetzung zumeist nur im Rahmen von Vorträgen oder Publikationen deutschsprachiger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf. Allerdings setzt man sich auch auf internationaler Ebene mit ähnlichen Fragen auseinander, welche die deutschsprachige Mediensozialisationsforschung prägen. So werden auch dort Fragen der Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsbildung sowie Zuschreibungen der westlichen Moderne an die Lebensphasen Kindheit und Jugend diskutiert und kritisiert. Im Unterschied zur deutschsprachigen Mediensozialisationsforschung spielen auf internationaler Ebene theoretische Diskurse im Umfeld der Cultural Studies eine größere Rolle in der Auseinandersetzung mit der Aneignung und dem Gebrauch von Medien (Hoffmann, Krotz & Reißmann 2017b, S. 6)
Im beantragten Forschungsprojekt sollen ausgehend von diesen Diskussionen im Rahmen einer international-vergleichenden Literaturanalyse verschiedene theoretische Bezugspunkte der Auseinandersetzung mit der Sozialisationsrelevanz von Medien erörtert werden, um daraus neue Erkenntnisse über die Bedeutung von Medien in Kontexten der Identitätsfindung, der Auseinandersetzung mit der sozialen Umwelt sowie der Orientierung in der Welt zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund wird die Frage nach dem Zusammenhang zwischen der Ausbildung von Medienkompetenz und medienbezogenen Habitualisierungen gestellt.