Von Anfang an wurde ein Zusammenhang zwischen den Milleniumszielen der UNO und einer transformativen Pädagogik hergestellt. Der Fokus liegt dabei primär auf dem Unterziel 4.7 (vgl. Singer-Brodowski 2016), wo dieses Bildungsziel neben der „Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung, eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit […], die Wertschätzung kultureller Vielfalt und des Beitrags der Kultur zu nachhaltiger Entwicklung“ extra ausgewiesen wird. (vgl. Österreichische UNESCO-Kommission 2019, 9).
GCED beschreibt eine Pädagogik, die den nationalen Denkrahmen bzw. methodologischen Nationalismus (Beck 2004) zu überwinden sucht. Sie reagiert auf veränderte globale Bedingungen und Herausforderungen (Lang-Wojtasik 2019) und sucht über Bildung andere Haltungen und Handlungsmöglichkeiten zu etablieren.
Im Schuljahr 2016/17 besuchten insgesamt 16.828 Schülerinnen und Schüler mit anderer/anderen Erstsprache/n als Deutsch eine Tiroler Schule. Dies entspricht einem Anteil von 17,4% der Schülerinnen- und Schülerpopulation in Tirol. Während der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien in den Volksschulen 20,8%, in den Hauptschulen 12% und in den NMS 21,6% beträgt, sind es an den Sonderschulen 27,5% (inkl. Schüler/innen, die in einer anderen Schule nach dem Lehrplan der Sonderschule unterrichtet werden). Demzufolge hat fast jedes dritte Kind, dem ein SPF zugeschrieben wurde/wird, eine andere Erstsprache als Deutsch (Statistik Austria 2018). Auch wenn im Rundschreiben Nr. 23/2016 (Bundesministerium Bildung Wissenschaft und Forschung 2016) noch einmal explizit darauf hingewiesen wurde, dass das bloße Nichtbeherrschen der Unterrichtssprache keinesfalls ein Kriterium für die Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs sein darf, liegt doch der Schluss nahe, dass aus multifaktoriellen Gründen bei Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien häufiger SPF-Anträge gestellt werden.
2) Ziel und Fragestellungen
Ziel der vorliegenden Studie ist es, das Verhältnis zwischen Spf-Anträgen und Erstsprache darzustellen und zu begründen. Zudem sollen mögliche Schlussfolgerungen abgeleitet werden.
Als interessierende Fragestellungen ergeben sich in diesem Zusammenhang:
Was sind die Voraussetzungen für eine gelingende Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit anderer/anderen Erstsprache/n als Deutsch?
Wie kann die Anzahl der SPF-Anträge von Kindern und Jugendlichen mit anderer/anderen Erstsprache/n als Deutsch reduziert werden?
Inwieweit wird in standortbezogenen Förderkonzepten der kulturelle Hintergrund sowie Zweisprachigkeit/Mehrsprachigkeit der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt?
3) Zielgruppe und Methode
Um die Forschungsfragen zu beantworten werden zwei Fokusgruppeninterviews an zwei Standorten (in Absprache mit dem LSR) geführt. Wichtige Personen in diesem Zusammenhang sind: Schulleiterinnen und Schulleiter, Pbz-Leiterinnen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Migrationsberatungsstelle am LSR, Gutachterinnen und Gutachter, Beratungslehrpersonen im Bereich Sprache, Lehrpersonen für den muttersprachlichen Unterricht, VS- und NMS-Lehrpersonen, ehemalige Schülerinnen und Schüler mit anderen Erstsprachen als Deutsch. Die Auswertung der Interviews erfolgt mit der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.
Quellen:
Bundesministerium Bildung Wissenschaft und Forschung (2016): Richtlinien für Differenzierungs- und Steuerungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs. Abrufbar unter: https://bildung.bmbwf.gv.at/ministerium/rs/2008_19.html
Grubich, R. (2011): Zur schulischen Situation von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) in Österreich. Abrufbar unter: http://bidok.uibk.ac.at/library/inkl-02-11-grubich-situation.html
ÖIF (Österreichischer Integrationsfonds) (2016): Kinder & Jugend. Statistiken zu Migration und Integration 2016. Abrufbar unter:
integrationsfonds.at/fileadmin/content/AT/Fotos/Publikationen/Broschuere/Kinder_und_Jugend_Web.pdf: S.31
Statistik Austria (2018): Schülerinnen und Schüler mit nicht-deutscher Umgangssprache im Schuljahr 2016/17. Abrufbar unter:
https://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/bildung_und_kultur/formales_bildungswesen/schulen_schulbesuch/index.html